Vielleicht kommt es davon, dass ich weitere 6 Stunden Airbrushen hinter mir habe, oder einfach nur von der Uhrzeit – jedenfalls habe ich mir gerade Gedanken über Zufallsauswahl gemacht. ZA benutzt man, neben dem Einsatz beim Lotto spielen, ziemlich oft im täglichen Leben:Man denke an die Kassen im Supermarkt und manche Produkte die man dort kauft, oder die Frage, welchen Weg man bei ähnlicher Länge wählt, wo man sich im Bus hinsetzt. Und dennoch, obwohl die Fähigkeit, zügig zufällige Entscheidungen zu treffen so wichtig und alltäglich ist, fällt sie uns schwer. Ich selbst berichte aus Erfahrung, als nototisch Unentschlossene.

Was mich nun aber wirklich immer wieder stutzig macht, ist, dass so viele Menschen nunmal grundsätzlich abergläubisch sind, selbst bei den bescheuertsten Dingen. Nehmen wir Lotto: selbstverständlich hat schonmal jemand mit den Geburtsdaten seiner Kinder gewonnen, aber das war genauso Zufall wie bei jedem anderen 6er. Und obwohl die meisten Menschen meiner Erfahrung nach das sogar zugeben würden, wählen sie trotzdem Zahlen, die ihnen persönlich etwas bedeuten. Genau das gleiche gilt natürlich für alle anderen Schrullen: wir sehnen uns nach Dingen, die eben nicht zufällig sind, zu denen wir irgendeine connection haben.

Ist das jetzt immer Aberglaube? Ich finde nicht, denn man kann auch als rationaler Mensch dieses Bedürfnis nach Zusammenhang durchaus nachvollziehen. Wenn man z.B. kein Weinkenner ist, wählt man im Restaurant wohl eher einen Wein aus einer Region, in der man selbst (oder ein Freund) vielleicht mal im Urlaub war, auch wenn das zufälligerweise der schlechteste Wein auf der Liste wäre. (Preis mal außen vor.) Obwohl diese Auswahl komplett zufällig wäre, würden wir es weniger belächeln, als wenn jemand einfach blind auf die Karte tippt!

Allerdings etwas blöd ist es, dass meistens die Assoziation in beide Richtungen geht. Wenn jemand mit dem Geburtstag des besten Freundes oder Kindes im Lotto gewinnt, wird die betreffende Person das sicher ihr ganzes Leben lang wohlwollend anekdotisch hören. Hat man allerdings mit einer Zufallsauswahl Pech, so schlägt das bestimmt auch mal ins Gegenteil. Also wenn A keine Ahnung von Fußball hat, und B auch nicht, und A, aus Unfähigkeit selbst nachzudenken, B um einen Tipp für eine Wette fragt, und B, da ja ahnungslos, leider total daneben liegt, aber aus Nettigkeit eben irgendetwas vorschlägt, dann wird A ihm das erstmal vorwerfen. Wie gut für A, er muss jetzt nicht selbst verantwortlich sein – wäre er ja nicht mal, es wäre ja alles Zufall.