Nachdem ich mich weitgehend eingelebt habe, kann ich ja nun ein paar weitere Eigentümlichkeiten und Erlebnisse berichten.

Heute waren wir shoppen, wozu wir etwa 60km fahren mussten, um in ein “großes” Einkaufszentrum zu kommen, wo es eine einigermaßen “große” Auswahl an Kleidung gibt. Ich lasse mal offen, was man sich unter “groß” vorzustellen hat, aber wenn man das Viernheimer Rhein-Neckar-Zentrum kennt, wird man meine ” ” verstehen.

Unser Ziel: Ein Kleid kaufen, für eine Hochzeit. Mein Vater war erst etwas verwirrt: “Was, du heiratest?!” Nein, ich bin nur auf eine eingeladen, aber das ist ja in sich auch schon ein Aufwand, da ein anständiges Kleid zu finden. Jedenfalls waren wir da in Töckfors [sprich: Töckforsch] schlecht beraten. Es gab zwar wirklich eine ausreichende Anzahl an Kleiderläden, sogar einen Vero Moda, aber bei denen gabs nur extrem knappe schwarze Lederröcke. Kein Kommentar.

Meine Mutter wollte mich dann in den letzten Kleiderladen schleppen, den es dort noch gab – “kuck mal, die haben auch schöne Sachen da hängen!” – ich hatte aber bereits auf das Schild über dem tollen Geschäft geschielt, und da stand klein neben dem Name “44-56″. Ich sah dann die dazugehörigen runden Puppen im Schaufenster und die übrigen Kunden in dem Laden, und weigerte mich, weiter zu gehen. Mama gab jedoch nicht auf. “Ja nein, guck doch, da gibts auch Kleider, du kannst ja wenigstens mal gucken.” Obwohl ich darauf bestand, dass ich da nichts in meiner Größe finden würde, hatte sie schon ihre Brille gezückt und sah ein paar Stapel durch. “Du brauchst dich nicht zu schenieren, das sind ganz normale Klamotten.” Ich schenierte mich ja garnicht, das Zeug war mir einfach zu groß! “Aber das ist doch so schön bunt!” Ja, auch kein Problem, nur zu groß! Ghnnnn! Fünf geflüsterte Ausrufezeichen! Nungut, dann sah sie die Größenangabe in nem Pulli, ich dachte: gerettet! Weit gefehlt: “Da, siehste, das ist S!” Zum Glück machte sie die Weite des “kleinen” Pullis dann doch skeptisch und sie sah die Größentabelle auf einem Regal, die besagte das S hier eben 42-44 ist, sicher um den Kundinnen zu schmeicheln, sehr gute Idee übrigens.

Nun gut, wir haben lecker Pizza gegessen, und statt einem Kleid sehr schöne Ohrringe und ne Kappe gekauft, und neue Tischsets. Immerhin. Auf der Rückfahrt meinte Mama dann, komm, wir nehmen die Route mit der schönen Aussicht. Man sollte erwähnen, dass hier zwar noch überall Massen an Schnee liegen, was eigentlich schön ist, aber es heute extrem nebelig und regnerisch war. Es macht der schwedischen Landschaft alle Ehre zu sagen, dass es trotzdem sehr schön dort war. Die zugekrusteten Seen und wilden Wälder (wir haben Rehe gesehn! woot!) haben einfach Charme, Nebel oder nicht.

Dumm nur, dass die “Scenic Route” ein wenig veraltet war, und unser alter Bus ächzte und hievte sich mit Ach und Krach über gefühlte 5.000 Straßenschäden. Es war wirklich unvorstellbar hubbelig. Außerdem hat die enorme Leere die im allgemeinen auf schwedischen Straßen herrscht meine Eltern zu recht schnellen und zackigen Fahrern gemacht. Jesses, sind wir durch den Wald gefegt. Irgendwann wurde unsere Fahrt aber zwangsverlangsamt, denn wir hingen hinter dem Schulbus fest. (Der hier ein richtiger Reisebus ist!) Die Jugendlichen wurden alle so häppchenweise mitten im Wald abgesetzt, wo man nur erahnen konnte, dass da irgendwo jemand wohnt. Die erste Gruppe hat uns, völlig entgeistert, offen angestarrt, aber trotzdem gegrüßt! Der nächste der ausstieg grinste uns fröhlich an und hat uns wild zugewunken, weil wir ihn über die Straße gelassen haben. Die Leute sind so nett hier :-)

Heute abend kam dann eine Nachbarin vorbei, sie ist Rumänin, ihr Mann Norweger, und sie erklärte uns in fehlerfreiem Englisch, dass wir das mit dem Kleider kaufen in Schweden glatt vergessen könnten. Ich muss zugeben, mir ist ja auch schon aufgefallen, dass die Leute hier in allem wesentlich lockerer und entspannter sind, und in der Kleidung sieht man das auch. (Nicht so schlimm wie in England, immerhin) Das find ich aber irgendwie gut, ist alles nicht ganz so aufgesetzt wie daheim. Ihr denkt jetzt bestimmt, ha, in Göteborg ist das bestimmt anders. Okay, da sind die Leute anders, aber trotzdem: da sieht man auch extrem wenig Leute rumlaufen, die ihren Reichtum an sich tragen. (Scheinbaren Reichtum, denn wir wissen ja alle, dass die wirklich schicken Leute bei HSE24 die Sachen von Pompöös kaufen!) Sogar eher betuchtere Leute wirken hier jedenfalls total relaxed.

Um meine News nicht auf so einem gesellschaftlich kontroversen Thema enden zu lassen: Ich weiß jetzt, warum hier in Schweden die Wurst so furchtbar schmeckt. Habt ihr schonmal korv im Supermarkt gekauft und versucht zu grillen? Und, hat wie Kartoffelbrei geschmeckt? Ja, denn die Würstchen hier bestehen zu 50% aus Kartoffelmehl oder sowas ähnlichem. In Deutschland müssen es glaube ich mindestens 80% Fleisch sein. So, kein Wunder dass in diesen Auswanderer Shows immer deutsche Metzger auswandern, hier können sie jedenfalls ein Vermögen mit anständigen Wurstwaren machen.

Hm, ich bin sicher, dass ich noch nie einen Beitrag zu Wurstwaren geschrieben habe. Well, there’s a first time for everything. Hej då, vi ses!