Gestern nacht war bei den Altertumswissenschaftlern Hausparty, und wer verkleidet kam, musste weniger zahlen. Es war richtig cool, auch wenn mein Haargel für den Medusa-Look (und ich schätze alle anderen Kostüme) den Preisvorteil wieder zunichte gemacht hat… Naja, es war jedenfalls lustig, zwischen Herkules, Diogenes in der Tonne, Legionären, Furien, Cleopatra, ner Mumie, diversen mit Toga und Efeu bekleideten Dionysiern und heidnischen Priesterinnen zu tanzen. Ein Hoch auf die Antike! Nagut, manche fielen ein wenig aus der Reihe… unter uns tummelten sich auch Höhlenmenschen, Mönche, eine Magd aus dem 14. Jahrhundert und Lara Croft (immerhin grenzwertig).

Das aber nur am Rande. Wir schleppten uns nachts irgendwann noch zum MCD und dann ins Bett. Uffa. Und am nächsten Morgen wache ich auf und weiß genau: wir haben keinen Kaffee im Haus. Damn. Ich also mit meinen noch sehr psychopatisch aussehenden Haaren auf zum Kaufland um die Ecke. Kennt ihr Kaufland? Das ist meiner Ansicht nach ja der Laden, der die kryptischsten Einkaufsregeln hat. Man muss z.B. sein Obst selbst wiegen, was nicht nur Betrug geradezu einläd, sondern auch immer wieder an der Kasse zu Zwischenfällen führt mit Menschen, die das Prinzip noch nicht verstehen/kennen.

Weiterhin gibt es nur im Kaufland diese wunderbare Regelung, dass die Kassiererin immer die Nummer des Einkaufswagens in ihre Kasse tippen muss. Es könnte ja sein, dass K. einfach nur an der Fitness seiner Mitarbeiter interessiert ist, die da alle 2 min. aufspringen müssen. Eher glaube ich allerdings, dass das ja nur eine schlechte Vertuschung ist – eigentlich wollen die doch nur gucken, ob man im Einkaufswagen nix versteckt hat. (Was ja schon ansich nicht so leicht ist, da das Ding quasi von Natur aus nur aus Gitter besteht.)

Diese Praktik, da vertuscht, führt nicht wirklich zu guten Ergebnissen. Letztens hat eine Frau vor mir vergessen, ihr Stück Ingwer aufs Band zu legen, gut, ist auch recht klein. Jedenfalls war ich gespannt wie nochwas, ob ich das erste Mal den Erfolg der kaufländischen Gucktechnik live miterleben würde. Fehlanzeige. Die Kassiererin tippte brav die Nummer des Wagens ein und weiter gings. Da fragte ich mich, ob die schlauen Bosse bei Kaufland ihren Mitarbeitern den eigentlichen Zweck des Nummern-abtippens überhaupt mitgeteilt haben.

Heute morgen, als ich gerade am einpacken war, kam dann das Beste. Hinter mir stand ein anständig-gut-bürgerliches älteres Ehepaar. Da sich die beiden wohl auch schon Sorgen um den Rücken der Kassiererin gemacht hatten, hat der Mann sich schon vorher die Nummer des Einkaufswagens eingeprägt, und bevor die Frau aufspringen konnte, sie ihr genannt. Die bedankte sich brav, und blieb sitzen. Allem Spitzeln und allem Misstrauen wurde so der Wind aus den Segeln genommen – von einfacher Höflichkeit und Mitgefühl.