Gestern, also Tag 6, war eigentlich recht unauffällig. Ich merke aber ein Muster, das sich in der letzten Woche abgezeichnet hat. Normalerweise kann ich morgens ohne Frühstück nicht aus dem Haus gehen, und bin auch sonst den ganzen Morgen über müde, träge und antriebslos. Diese Woche war das irgendwie andersrum. Morgens ging das Aufstehen ansich leichter, dann, nach einem Glas Saft, war ich fit und sogar ungewöhnlich arbeitswütig. Und je länger das Fasten, desto besser hat das auch geklappt. Ich nehme an, das liegt daran, dass ich normalerweise auch spät abends noch was Esse – Mitternachtssnack Müsli zum Beispiel – und dann erst nach eins völlig erschöpft ins Bett falle. Noch so eine Angewohnheit, die jetzt mal geändert wird. Ohne Essen hat sich der Körper irgendwie einen anderen Rythmus angewöhnt – schon gruselig das alles.

Die Schattenseite war natürlich, dass ich nachmittags und abends ausschließlich ans Essen gedacht habe. Mit Kaugummi, Tee und Saft kann man sich auch nur bedingt ablenken. Es war schon eine Tortur, ich hatte dauernd Lust auf eher ungesundes Zeug. Gestern nacht zum Beispiel, konnte ich nicht schlafen, weil mir die ganze Zeit rotierende Bilder von Brathähnchen, Burgern und Currywurst durch den Kopf schwirrten.

Schöne Deko machts gleich besser

Doch heute! Heute war Fastenbrechen angesagt. Wir haben es tatsächlich überlebt. Deswegen gab es einen schönen Teller Apfel mit Honig und ein paar Nüssen und Bananenscheibchen. Was ein Genuss! Es fühlte sich außerdem echt irre an, denn man konnte so richtig den Apfel die Speiseröhre runterrutschen fühlen. Und mein Magen fühlt sich jetzt auch ganz komisch an. Totally weird. (Edit: Okay, jetzt hab ich mittlerweile totale Bauchschmerzen.)

Lustigerweise war ich davor gar nicht besonders hungrig, noch hatte ich besonders Lust, etwas zu essen. Und nach der Hälfte war ich schon satt. Außerdem bin ich mittendrin komplett auf Banane umgestiegen, da mir eingefallen ist, dass ich ja gegen Äpfel ein bisschen allergisch bin.

Alles in allem soll man es ja jetzt langsam angehen lassen, aber ich freu mich wirklich sehr, wieder essen zu können. Ich hab 4 oder 5 Kilo abgenommen, was sich ja sehen lassen kann, aber das hat man bei normalem Essen bestimmt schnell wieder drauf. Was meinen Gesamteindruck vom Fasten angeht: es ist wirklich ein wenig übertrieben, da von einer spirituellen Erfahrung zu sprechen, dafür hätten wir vielleicht noch zusätzlich in ein Kloster gehen müssen. Unser Leben ging sonst ja weiter wie immer. Trotzdem sehe ich das ganze als Denkzettel für mich, nicht immer so maßlos zu schlemmen, so gern ich das tue. Es war ein tolles Erlebnis, mal nicht vom Essen abhängig zu sein. Irgendwie fühlt man sich stark, es geschafft zu haben.