Fasten, Tag 5
Ich habe keinen Hunger, ich habe nur Appetit. Das sage ich mir jetzt einfach hundertmal vor, dann glaube ich auch daran. Das Problem ist, es stimmt wahrscheinlich, und trotzdem ändert das nichts – ich glaube trotzdem, Hunger zu haben. Ehrlich gesagt: Ich hab keine Lust mehr. Überall Essen! Düfte von gebratenen Kartoffeln, Döner, Pizza und frischen Brötchen sind dauerhaft um mich. Nirgends ist man sicher.
Man merkt plötzlich mal, wie sehr Essen sowohl den Tagesablauf dominiert, als auch bei fast allen zwischenmenschlichen Kontakten eine Rolle spielt. Man trifft sich mit Freunden – zum Essen, Kaffee trinken, Grillen, Filme gucken (= Snacks!) – und einfach alles beinhaltet Nahrung. Geht man je auf eine Party, auf der es keinen Nudelsalat gibt? Und was macht man wenn man nachts halb betrunken nach Hause torkelt – richtig, Döner essen. (Zumindest in England machen das alle. Ich glaube hier sind die Läden oft schon zu.)
Gut, wir sind Menschen, wir essen eben. Das macht nunmal das Fasten schwer. Heute nachmittag war ich ziemlich fertig und down, und was ich normalerweise eindeutig dem PMS zuschreiben würde, daran ist jetzt eben das Fasten schuld. Jetzt merke ich, könnte auch einfach daran gelegen haben, dass ich mein ganzes Zimmer aufgeräumt und eine riesen Ladung Schrott zum Sperrmüllhof gefahren hab, dabei mindestens fünfmal ins 3.OG gerannt bin, und außerdem die halbe Wohnung gestaubsaugt habe.
Eben war ich noch bei Anke einen Film gucken, und (wie das nach romantischen Komödien so ist) danach fühlte ich mich glücklich und sorgenfrei (ja, ich weiß, ich bin echt leicht rumzukriegen) und vor allem zehn mal besser als vorher. Dieses außerordentliche Glücksgefühl könnte man jetzt, man ahnt es schon, wieder aufs Fasten schieben. Aber eigentlich ist es einfach nur schön, was nettes mit netten Personen zu unternehmen. Man könnte also sagen, dass es mit dem Fasten alles gar nicht so wild ist. Klingt das nicht cool, als Fastender ganz tapfer zu sagen “it’s totally overrated” – sehr, finde ich.
Ich habe trotz allem den ganzen Tag ans Essen gedacht, und bin bei einer Curry Wurst Doku im Fernsehen fast in Tränen ausgebrochen, weil ich so Lust habe, was zu essen. Ich plane gedanklich schon detailliert das Frühstück für Sonntag: Frische Brötchen, Eier, Bacon, Milch, Kaffee, Butter, Pflaumenmus, Honig….
Ohja, Bewegung hilft – oder in jedem Fall einfach ne Beschäftigung :-)
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Bafoeg 2009 »
Ich denke auch den ganzen Tag ans Essen … und ich glaube, die meisten machen das. Ich habe auch oft nur Appetit, und esse dann wirklich was. Aber inzwischen weiß ich auch, dass ich das Gefühl loswerden kann, indem ich mich am Tag dann auch ein bisschen bewege.