Ich muss mich mal aufregen. Das schlimmste, was man als Student durchzustehen hat sind weder die Prüfungen noch das Anstehen in der Mensa. Es ist ganz eindeutig der Bafög-Antrag. Wer das noch nicht gemacht hat, fragt sich sicher: wie schwer kann das sein? Und es scheint auf Anhieb auch sehr leicht: im Internet gibt es einen Bafög-Rechner, alle Formblätter zum herunterladen und einige Tips, die man beachten sollte. Nun, wie das so ist im deutschen Bürokratenwald, ist das ganze in der Realität ein ganzes Stück komplizierter.

Zunächst einmal sind die Leute vom Bafög-Amt extrem Bescheinigungs-geil. Für alles in meinem Leben wollen sie einen Wisch, wo irgendwer unterschrieben hat, dass ich in meinem Antrag auch ja nichts falsches angegeben habe. Irgendwo macht das ja noch Sinn. Doch meine Wohnung, Versicherung und Arbeitsstelle, sowie der Wohnort und Status meiner Eltern (Rentner bzw. Pensionär) haben sich seit letztem Jahr nicht verändert. Und bei letzterem, das sich tatsächlich ein wenig verändert hat, brauchen sie eh nur die Angaben von vor zwei Jahren, warum auch immer. Warum muss ich also alles erneut bestätigen, obwohl sich nichts geändert hat? Ist wie beim Kindergeld: jedes Jahr bitte schön beweisen, dass das Kind noch lebt. Hallo?!

Das nervigste ist allerdings, dass ständig etwas durcheinander kommt. Meine Sachbearbeiterin, zum Beispiel, war glaube ich vor 2 Jahren oder so plötzlich weg, und das hat alle dort in heilloses Chaos gestürzt. Immer wenn ich mit meinem Nachnamen dort ankam, wurde schon gestöhnt, oh nein, was machen wir denn jetzt mit der. Anfangs, okay. Aber nach 2 Jahren sollte man das doch mal auf die Reihe kriegen. Nun, erfreulicherweise saß vor den Ferien tatsächlich eine neue Frau dort, die meine SB werden sollte, aber dann hats doch ein anderer gemacht – kein Wunder, dass dort keiner mehr durchblickt.

Dann bekam ich also eine Mail in den Ferien, dass angeblich bei meinem Antrag Formblatt 1 fehlt – das ist der Hauptantrag. Sehr wahrscheinlich hab ich den vergessen! Doch kein Grund zur Panik – einen Tag später kam eine Mail, sie hätte ihn doch gefunden.

Das Urlaubssemester, dass ich im Sommer eingelegt habe, war ein weiteres Problem. Es gab da irgendwie zwei Paragraphen, die auf meine Situation zutrafen und sich auf den ersten Blick widersprachen. Also bekam ich einen Bescheid, auf dem mir das Eine gesagt wurde, und einen nächsten, auf dem etwas anderes stand, jeweils von zwei verschiedenen Personen bearbeitet. Weil der zweite Bescheid nachteiliger war, habe ich erstmal Widerspruch eingelegt und bin zu denen ins Büro. Dort wurde mir erst einmal erklärt, dass das nun doch rechtens ist; anstatt dass der gute Herr Sachbearbeiter meinen Widerruf einfach als nichtig einträgt, kommt jetzt, ewig später, ein Formular zum ausfüllen, mit dem ich meinen Widerruf widerrufen muss. Ja, mein Kopf dreht sich auch schon.

Außerdem habe ich einen Einkommenssteuerbescheid dort abgeliefert, um sie über das Gehalt meiner Eltern zu informieren. Dazu brauchten sie plötzlich einen zusätzlichen Bescheid, der etwas bestätigen sollte, was da eh schon draufstand. Kopfschüttelnd gab mir mein Vater auch diesen Zettel. Jetzt liegt ein Brief hier, in dem steht, dass ich diesen Nachweis nochmal bringen soll. Ich bin erstmal an die Decke gegangen.

Ich erfahre außerdem durch einen kleinen Extrazettel, dass meine neue Sachbearbeiterin nur in Teilzeit dort arbeitet, das bedeutet ihre Telefon-Sprechstunde ist sehr begrenzt. Dort aufkreuzen zur Sprechstunde darf man sowieso nur mittwochs. Wenn man da keine Zeit hat, Pech. Ach, und wenn man mal länger in Urlaub ist: es kann schon passieren, dass diese Briefe mit falschen Forderungen kommen, wenn man weg ist, und Sätze enthalten wie:

Es wird darauf hingewiesen, dass [...] die Leistungen [...] versagt oder entzogen werden können, wenn die erbetenen Unterlagen, Nachweise und Erklärungen nicht bis spätestens (Datum hier) vorgelegt werden. Bei Nachholung der Mitwirkung kann die Förderung ganz oder teilweise erbracht werden.

“Nachholung der Mitwirkung”? Was soll das denn heißen. Und wenn ich vorher nicht zuhause bin, hab ich eben auch Pech gehabt?

Interessant war auch der Fall mit dem Konjunktiv. Das war vielleicht lächerlich. Ich habe also von Lehramt auf Bachelor gewechselt. Das bedeutet, statt erst in 3 Jahren haben sie mich schon nächstes Jahr von der Backe. Es interessiert die aber nicht, dass ich bisher eben noch nicht genug Scheine gemacht habe, um den Bachelor rechtzeitig abzuschließen – es interessiert die nur, ob ich es hätte können. Der Mann, der mir das so langsam erklärt hat, als wäre ich fünf, hat mir also so umständlich wie möglich gesagt, dass denen praktisch die Realität meiner Situation nicht interessiert, sondern nur, was auf dem Papier steht. Das ganze ist so unlogisch, ich kann es nicht weiter ausformulieren. Mir bleibt nur anzumerken, dass ich es am Ende wirklich verstanden habe, aber trotzdem nicht verstehe.

Eigentlich wollte ich das Urlaubssemester dazu nutzen, wieder zu Kräften zu kommen, stattdessen habe ich es hauptsächlich im Bafög-Amt verbracht. Am liebsten würde ich es einfach lassen, aber wenn man auf das Geld angewiesen ist, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich jedes Mal monatelang zu quälen.