Sprachen
Eine Sprache lernen ist wie einen anderen Menschen kennenlernen. Hier mal eine Annäherung:
Erster Blickkontakt
Du hast die Sprache schon öfter von weitem gesehen, und dachtest, sie sei eigentlich ganz hübsch. Ein freundliches Lächeln, vielleicht war sie schick gekleidet, jedenfalls ist sie dir sympathisch. Eure Augen treffen sich. Einige Zeit später traust du dich, sie anzusprechen. Anfangs klappt das nur mit “Hallo, ich heiße…” aber kurze Zeit später kannst du mindestens schon “Danke”, “Prost”, “Ja” und “Nein” sagen, und vielleicht ein bisschen fluchen.
Das erste Date
Nun, da du die Sprache näher kennenlernen willst, musst du dich etwas mehr verpflichten. In einem geordneten Rahmen führst du die Sprache durch die Stadt, lädst sie zum Essen ein und stellst ihr ein paar Freunde vor. Du verstehst sie nun schon besser, und möchtest du die Beziehung vertiefen, solltest du den nächsten Schritt tun. Möchtest du das nicht, na, dann hast du wenigstens mal was neues gemacht.
Die feste Beziehung
Die Sprache ist jetzt ein richtig ernstes Ding geworden. Du siehst an der Sprache plötzlich Dinge, die dir anfangs nie aufgefallen wären, denn jetzt erst ist sie richtig offen zu dir. Einige nervige Eigenheiten fallen dir auf, aber weil du die Sprache so magst, nimmst du natürlich Rücksicht auf eventuelle Unregelmäßigkeiten. Nachdem ihr länger zusammen wart, siehst du die Sprache jetzt in vielen ihrer Facetten: mal ist sie betrunken, mal gestresst oder vielleicht traurig, aber du hälst zu ihr und lernst weiter.
Die Schwiegereltern
Irgendwann nimmt dich die Sprache an die Hand und meint, es wäre an der Zeit, mal ihre Eltern zu treffen. Ihr plant die Reise lang und breit, und plötzlich bist du da: in einer dir fremden Umgebung fühlt sich deine Sprache plötzlich ganz zuhause. Deine potentiellen Schwiegereltern sind nett, wenn auch sehr eigen, und du verstehst sie kaum. Du dachtest gerade, du kennst die Sprache, und plötzlich reden alle um dich etwas völlig anderes. Die Sprache errötet leicht und gibt zu, dass sie bei dir immer versucht hat, so dialektfrei wie möglich zu sein.
Die gemeinsame Wohnung
Du kennst die Sprache jetzt bis auf den Bodensatz. Ihre witzigen Details fallen dir immer mehr auf. Plötzlich fühlst du dich nicht mehr so glücklich in deiner gewohnten Umgebung, du bist alleine, denn um dich rum gibt es keinen, der deiner lieben Sprache gleicht. Also packst du deine Sachen und suchst einen Ort, wo alle so sind wie deine Sprache. Vielleicht im Fernsehn, oder in Büchern; oder sogar in einem anderen Land. Ihr wohnt gemeinsam, und überall im Leben kannst du sie gebrauchen. Das muss Liebe sein!
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