Die Ploeck. Eine Parallelwelt
Ey, maan, wieso fahren all die dumme Leute in die Plöck, alda?!
Ich vermeide es meist, Menschen mit Pornojacken und Ghettoblasterhandys Recht zu geben. Dennoch muss ich dem jungen Mann aus der Plöck zugestehen, dass ich das auch jeden morgen/mittag/abend (in grammatikalisch richtiger Form) denke. Ich versprach eine Forsetzung meines Heidelberger Verkehrs-Epos, hier ist sie: ein kleiner verbaler Spaziergang durch die Plöck, vor allem für alle bedauernswerten Menschen, die nicht in Heidelberg leben.
Das sagt Wikipedia:
Der Stadtgrundriss der Altstadt richtet sich nach den topografischen Begebenheiten. Drei Straßenzüge führen der Ausrichtung des Flusses und des Berghangs entsprechend durch die Altstadt: Neckarstaden und Am Hackteufel am Neckarufer, die zentrale Hauptstraße und die Friedrich-Ebert-Anlage am Fuße des Berges. Dazu kommt im westlichen Bereich der Altstadt die Plöck zwischen Hauptstraße und Friedrich-Ebert-Anlage.

Was uns Wikipedia nicht sagt, ist, dass die Plöck eine essentielle Verkehrsfunktion zwischen der Bismarckplatz-Gegend und dem Uniplatz erfüllt. (Es sind also vier, nicht drei Straßenzüge…) Die Plöck ist eine Fahrradstraße, jedoch liegt hier scheinbar die Betonung auf “Straße”. Autofahrer scheinen das “Fahrrad” nicht zu lesen. Fußgänger betrachten die Plöck dagegen als Erweiterung der Fußgängerzone. Diese Zwickmühle führt dazu, dass alle 3 Gruppen sich gegenseitig beschimpfen und sich selbst im Recht wähnen. Da wir hier nicht bei der RNZ sind, sondern auf meinem Ego-Blog, kann ich allerdings jetzt so polemisch schreiben wie ich möchte, und die Fahrradfahrer allesamt in Schutz nehmen.
In der Plöck gelten andere Gesetze, als im Rest der Welt (so ein bisschen wie beim Triumphbogen in Paris). In der Plöck zählt nämlich nur eins: Geschwindigkeit. Sobald man drin ist, reißt einen der Strom der anderen Verkehrsteilnehmer mit. Hunderte Studenten, einer schneller als der nächste, rasen zum Uniplatz. Doch die Plöck ist ambivalent. Je schneller ein Teil der Menschen sich bewegt, desto langsamer bewegt sich der Rest dazwischen: Omis, die unbedingt um 9 mit ihrem Gehwagen einkaufen müssen. Dicke, große Autos, deren Fahrer unbedingt durch die Plöck zur Arbeit müssen – sie würden gerne schnell fahren, sehen aber nicht genug und sind zu schwerfällig dazu, haha! – Lieferanten vor dem Kaufhof, Paketdienste, Touristen. Es folgt die Baustelle (neue Tiefgarage). Dann kommen die ersten kleinen Geschäfte, vor denen vor allem mittags die Bummel-Atmosphäre entsteht. Der Gehweg ist so dünn, dass man höchstens hintereinander laufen kann – doch wer will das schon? Auf der Straße ist ja genug Platz. Vor allem wenn man sein Fahrrad schieben muss. Dazwischen: ein kurzer Abschnitt Fußgängerzone, wo man zwar vor den Autos sicher ist, aber dafür anderen Gefahren ausgesetzt ist: links ist ein Spielplatz, rechts ein Gymnasium.
Unter Hupen, klingeln, und quietschenden Bremsen gehts weiter, die ersten Abzweige haben bereits ein paar der Autos abgeleitet. Vor allem abends (Dunkelheit schützt vorm Rasen nicht) ist man an den Querstraßen schwer in Lebensgefahr.
Nachdem keine Autos mehr den Weg nach vorne versperren, legen sich die Radfahrer ins Zeug. Wie bei der Tour de France bildet sich ein Pulk, jeder will seinen Vordermann doch noch überholen, auch wenn man eh gleich am Uniplatz ist.
Richtig gut wird es, wenn ein größeres Auto eine Straßenhälfte komplett vollparkt (und das ist ungefähr alle 200m der Fall). Dann könnte man wieder hervorragend Fallstudien der menschlichen Psyche machen. Die Wutausbrüche bei Autofahrern und sich durchquetschenden Radfahrern sind beispiellos.
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