Morgens fahre ich immer mit dem Fahrrad zur Uni. Auf meinem Weg, den ich meistens mit vielen anderen gehetzten Radlern teile, komme ich an einigen Ampeln vorbei, an denen sich menschliches Miteinander wunderbar dokumentieren lässt. Es gibt ein paar einfache Gruppen, in die man den durchschnittlichen “Ampelwarter” einteilen kann.

Gruppe 1: Die Eiligen – sie fahren meist bei rot über die Ampel, auch wenn Autos kommen.
Gruppe 2: Die Unentschlossenen – haben es eigentlich eilig, wollen aber auf Nummer sicher gehen. Fahren also los, wenn die Autos schon orange haben.
Gruppe 3: Die Braven – fahren natürlich bei grün, oder zumindest wenn die Autos rot haben.
Gruppe 4: Die Unkonzentrierten – Ampeln dauern eh so lange, da reichts noch für nen Plausch, ne Zigarette, oder mal schnell das Baby wickeln.

Neulich am Adenauerplatz: An der Ampel steht ein gutes Mischmasch an Fahrradfahrern, eine Mutter mit Anhänger am Rad (G4), ein paar Normalos (G2-3), ein Geschäftsmann-Typ (G2), den wir jetzt mal Karl-Heinz nennen, und ein wilder Typ (G1) der vielleicht Mustafa heißen könnte. Mustafa also hat es eilig, und während alle anderen noch bremsen fetzt er schon über die Ampel, es kam ja auch gerade kein Auto. Karl-Heinz wird unruhig. Mustafa ist eindeutig männlicher als er, aber es steht ja eine Mutter mit Kind neben ihm. Was tun? Der Männerinstinkt siegt. Karl-Heinz tritt in die Pedale, gerade als die Autos orange kriegen. (Unsere Mutter mit Kind bemerkt dies noch nicht.) Mustafa hat bereits die nächste Ampel erreicht, die gerade grün wurde; zum Glück für ihn, denn wenn man die bei rot überquert ist man womöglich Matsch. Karl-Heinz sprintet uns voran. Die Mutter hat jetzt auch gemerkt, dass sie fahren kann und dass sie außerdem mit ihrem Anhänger die ganze Ampel blockiert, so dass wir immer noch da stehen und warten, obwohl Mustafa schon fast die 2. Ampel überquert hat. Nun kommt auch ein weiterer Platzhirsch neben mir in die Gänge und sprintet genervt los. Er konnte das mit Karl-Heinz’ Vorsprung nicht so auf sich sitzen lassen. Als ich es auch fast an die 2. Ampel geschafft habe bilden sich schon Überholspuren. Eine Studentin schießt an mir vorbei; in feministischer Solidarität denke ich nur Ja, denen zeigen wirs und hoffe dass sie Karl-Heinz noch einholt. Als wir die Plöck erreichen ist das kleine Rennen leider vorbei, denn die Wege trennen sich. Jetzt kommt die nächste Etappe, auch “The Road of Doom” genannt. Und wies weiter geht, seht ihr nach der nächsten Maus.