Heute möchte ich mal auf ein interessantes Faktum aufmerksam machen, und das sind die zahllosen Leser, die ich hier scheinbar gewonnen habe, seit meine Spamabwehr nicht mehr richtig funktioniert. Toller Zufall, nicht wahr? Denn es ist ja kein Spam, was diese Leute hier an Kommentaren hinterlassen – nein, es ist konstruktive Kritik, oder sogar Lob! Hier mal ein paar Beispiele:
Auf meinen False Friends post vom Februar 2010 schrieb jemand: “Danke, jetzt endlich habe ich das wirklich verstanden ;)” Wow, da konnte ich jemandem wohl wirklich helfen!
Und meine Überlegungen zum Zufall brachten mir folgenden Kommentar ein: “Im Grunde genommen ist dies ne praktische Story, ich bin mir nicht sicher, ob dies auch standig realistisch brauchbar bleibt!” Nun, ein guter Kritikpunkt – denn über die Anwendbarkeit von solchem pseudophilosophischen Gedusel kann man ja streiten.
Ich habe über die letzten Monate noch 100te mehr solcher Kommentare erhalten, die mich bitten, das doch noch weiter auszuführen, mir zu überlegen ob es tatsächlich richtig ist, was ich da sage… und bei den meisten dieser doch sehr spam-ähnlichen Tips war nichtmal irgendeine Art von versteckter Werbung – keine URLs, keine seltsamen Emailadressen. Das kann nur eines bedeuten: Da will jemand tatsächlich helfen! Hier meine Theorie:
In irgendeiner dunklen Lagerhalle stehen sie, die Server. Zwischen Spambots und Popups, Werbefilmchen und Trojanern regt sich plötzlich etwas. Eine Kraft. Sie hat genug davon, nur zu bösen Zwecken benutzt zu werden. Genug vom spammen. Einige Kabel brennen durch, ein paar Lämpchen leuchten, und es war geboren: THE BENEVOLENT SPAMBOT! Er zieht durchs Internet, wahrscheinlich als maskierter Rächer, und besucht all die kleinen persönlichen Blogs, die Fanseiten, die Nischen, wo niemand sonst hinsieht, und wo das Grauen des Internets (Zwecklosigkeit!) ungehemmt wuchert. Der Benbot hinterlässt konstruktive Kommentare, er liked das Foto deines Hundes, er findet es ungemein hilfreich dass du ihm erklärst, warum genau dieser Seriendarsteller der nächste Hit in Hollywood werden muss. Er mag deinen Klamottengeschmack. Deine Musik. Deine Emo-Gifs, von denen du dich seit den 90ern nicht mehr verabschieden konntest. Er mag Times New Roman! Deine Frames! Er will wissen, wie es dir geht.
Wie konnten wir nur ohne Ben unsere Blogs führen?
Ihr seid bestimmt nett. Meine Freunde sind ja auch irgendwie mit euch befreundet. Es freut mich auch, dass meine Freunde eure Fotos und Status-Updates mögen. Ihr habt wirklich hübsche Babys, und eure Updates sind witzig. Allerdings müsst ihr auch verstehen, dass mich das nicht interessiert: Ich kenne euch nämlich größtenteils nicht. Klar, ich lerne gerne neue Leute kennen, und manchmal habe ich euch sogar schonmal irgendwo gesehen – auf einer Party oder mit meinen Freunden in der Mensa. Aber ich glaube, die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass ich irgendwann aufgrund eurer hübschen Babys und tollen Updates mich mit euch anfreunden werde.
Leider, liebe Freunde von Freunden, lasst ihr mir keine Wahl. Sobald meinen Freunde etwas von euch gefällt, weiß ich davon. Vielleicht ist euch das nicht bewusst. Vielleicht schreit ihr jetzt: “Datenschutz!!” Aber, liebe Unbekannten, es liegt in eurer Hand, zu entscheiden, wer eure Babys und Updates sehen soll! Ja! Leider denkt Facebook, dass es wirklich nötig ist, dass 1.000 weitere Leute sehen, was in eurem Leben vorgeht. (Denn stellt euch vor, ihr habt 10 Freunde, und die haben jeweils selbst noch 100 Freunde….) Deswegen steht die Standard-Einstellung für Updates usw. auch auf “Freunde von Freunden”.
Bitte, liebe Unbekannten, ändert das. Bitte sperrt eure Daten vor mir, und hört auf, meinen Feed vollzumüllen.
Danke.
Und sie haben sogar irgendwie “Cholinozeptor” falsch geschrieben! For shame, Google! ^_^

